
JAKOBS PUZZLE DES LEBENS: GEBOREN WERDEN IMMER ZWEI
Geburt und Zwilling-Sein als Schlüssel zum Verständnis der Bibel
Die Bibel ist das wohl wichtigste Buch der Menschheit und Grundlage von Humanismus und Menschenrechten. Und wird trotzdem immer noch zur Legitimation von Gewalt politisch missbraucht wie im aktuellen Irankrieg. Mannigfaltige Interpretationen dieses „Buches der Bücher“ existieren. Für Fundamentalisten ist es das unfehlbare „Wort Gottes“. Für moderne, aufgeklärte Menschen, etwa Albert Einstein, nur „eine Sammlung ehrwürdiger, jedoch reichlich primitiver Legenden“. Unter dem Pseudonym Jakob Friedrich Zweistein hat nun der Autor ein Buch veröffentlicht, das einen neuen Ansatz bietet, um diesen nur auf den ersten Blick „primitiven Legenden“ einen Sinn oder „Segen“ abzuringen. Vorbild ist der nächtliche Ringkampf des biblischen Jakob am Fluss Jabbok mit einem mysteriösen Mann. Die Bibel lässt offen, ob dieser Mensch, Gott oder Engel war, doch Jakob erhält an diesem entscheidenden Wendepunkt seines Lebens einen neuen Namen: Israel, „Gottesstreiter“.
Das Buch JAKOBS PUZZLE DES LEBENS –GEBOREN WERDEN IMMER ZWEI verwebt auf humorvolle Weise in einem „Puzzle aus 1000 und einem Teil“ die Jakob-Erzählung der Genesis mit persönlichen Erfahrungen als Zwilling, Vater und Tierarzt, sowie mit biblischer Exegese, orientalischer Kulturgeschichte, naturwissen-schaftlichen Dualitäts‑Phänomenen und den Vorgängen bei der Geburt zu einem großen Leitmotiv: Das Leben besteht aus Paaren, Gegensätzen, Synergien und Spiegelungen – und im Zusammensetzen dieser Teile entsteht Sinn und Identität. Oder eben: Geboren werden immer zwei! Hat sich da ein Zwilling angemaßt, seine persönliche Lebenserfahrung zu verallgemeinern und daraus eine universelle Theorie zu stricken? Sogar eine „theory of everything and everyone“, wie er es formuliert hat. Urteilen Sie selbst anhand der folgenden Zusammenfassung, denn JAKOBS PUZZLE DES LEBENS ist eine Herausforderung zum Nachdenken, Neu‑Deuten und Versöhnen.
DAS JAKOBS-PUZZLE
Zerschollen liegt der zerbrochene Spiegel in vielen großen und kleinen Scherben, sichtbar oder verborgen, je nachdem, verstreut über Seiner großen, weiten Welt: Wo man noch mit dem Herzen lesen kann, fügt man sie zusammen, und wo nicht, funkt die Nacht dazwischen.
Als Motto der gemeinsamen Puzzlereise mit dem „Puzzlegefährten Jakob“ steht zu Beginn diese fast poetische Puzzle-Spielanleitung. Sie ist zusammenkomponiert aus der Feder zweier Puzzle-Künstler. Aus dem Roman „Der Papst aus dem Ghetto“ der fast vergessenen Religionsphilosophin Gertrud von Le Forts stammt das Grundgerüst. Es wird ergänzt mit dem berühmtesten Satz aus dem Weltbestseller „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Anhand der Zahl zwei und dem Phänomen Geburt entwickelt Jakob Friedrich Zweistein ein biblisches Weltbild mit überraschenden, neuen Perspektiven indem er nicht nur ein Bild, sondern ein Spiegelbild zusammensetzt – ein Hinweis auf Identität, Beziehung und Transzendenz. Ganz analog zur Erschaffung des Menschen als Abbild oder Spiegelbild Gottes im ersten Kapitel der Genesis.
Die Hermeneutik der Bibel Jakob Friedrich Zweisteins fußt auf der „Spiegelmethode“: „Eine Sache, die wir nicht komplett erklären können, ein Mysterium, wird erhellt über den Blick in einen Spiegel, den wir kennen aus unserer eigenen Lebenserfahrung. Bilder unseres eigenen Lebens dienen uns als Abbilder einer höheren Wirklichkeit. Diese höhere Wirklichkeit verbirgt sich wie verschleiert in einem Textabschnitt der Bibel. Der Spiegel hilft uns, den Sinn oder die Kernaussage zu verstehen, vielleicht auch nur eine Ahnung davon zu bekommen, ohne den Text zu zerreden und ihm damit seine Faszination und Kraft zu nehmen. Denn ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Auf diese Weise behandeln wir ihn außerdem, ohne kulturelle Aneignung anzuwenden, sondern so, wie es der Kultur entspricht, in der er entstanden ist.“ Das universell verständliche „Bild“ der Geburt eines Menschen steht dabei im Mittelpunkt der philosophischen Überlegungen des Autors.
Geburt als Prinzip des Lebens
Die Geburt ist das Schlüsselereignis, das uns alle verbindet, ohne jede Ausnahme, ganz egal von woher wir kommen, wo wir heute stehen und wohin wir streben. Und so ist unsere Geburt das identitätsstiftende Ereignis unseres Lebens schlechthin. Denn sie macht uns zu dem wer wir sind: Menschen. Zu Kindern, später in der zweiten Perspektive eventuell auch zu Müttern oder Vätern. Das Besondere der Geburt ist, dass sie Gegensätze sinnvoll vereint. Denn sie ist zugleich Anfang und Ende. Obendrein ist sie ein Geschehen am absoluten Limit für beide unmittelbar Beteiligten, Mutter und Kind. Die radikale Abhängigkeit des Kindes von der Mutter während Schwangerschaft und Geburt ist genauso bemerkenswert, wie die Art und Weise des Geborenwerdens. Geburt passiert in einer nicht mehr zu steigernden Form einer Teamarbeit von Mutter und Kind, in der doch beide absolute Einzelkämpfer sind, wenn sich der Hinterkopf des Kindes durch den engen und doch enorm erweiterungsfähigen Geburtskanal den Weg ans Licht und in die Freiheit bohrt, getrieben und geschoben von den Wehen der Frau. Das Ziel: die Trennung von beiden. Doch es ist eine sinnvolle Trennung, nicht die Korrektur eines Irrtums. Trennung von zweien, um sie wieder zusammenzuführen: Vom Inneren des Schoßes hinaus und hinauf auf den Schoß und an die Brust der Mutter. Und dazwischen die Geburt, die allererste Escape-Room-Challenge eines jeden Erdenbürgers, die uns alle verbindet und an die wir dennoch keinerlei Erinnerung haben.
Geburt und Elternschaft sind, auch wenn man sich der gerade aufgezählten radikalen Fakten nicht bewusst sein sollte, transformative Erfahrungen, die neue Identitäten stiften. Und das eigentlich fast „automatisch“. Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind (Gertrud von le Fort).Und auch der Vater. Das Wunder, das wir hautnah bei der Entbindung miterleben können, geht nicht spurlos an uns vorbei. Die Ankunft des Kindes verwandelt die Eltern. Eine Geburt berührt uns unweigerlich und führt immer zum Staunen, denn in ihr werden komplette Widersprüche sinnvoll unter einen Hut gebracht, damit Neues entsteht. Die Geburt mit ihren Zusammenhängen kann deshalb als eine allgemeingültige Blaupause für das Verständnis des Lebens herangezogen werden jenseits aller religiösen oder ideologischen Narrative. Sie ist nicht nur ein Erklärungsmodell, eine bloße Idee oder ein Konzept, sondern unendlich viel mehr, nämlich anschauliche, universelle Wirklichkeit menschlicher Erfahrung. Geburt – „the theory of everything and everyone“: Beziehungen zwischen Lebewesen, die das Wesentliche des Lebens ausmachen. Die Prinzipien der Geburt schenken uns eine überwältigende Perspektive, die in ihrer verständlichen Einfachheit dennoch komplex genug ist, um das menschliche Dasein und den gesamten Kosmos in seiner ganzen Vielfalt, seiner Schönheit und Grausamkeit, seiner Abhängigkeit, seinen Rätseln und seiner Widersprüchlichkeit zu verstehen, ja selbst in seiner Transzendenz. Und sie geben so dem Leben einen Sinn. Selbst das Negative und das Leiden darin kann als Geburtswehen gedeutet werden, ohne die es keine Geburt gibt, es sei denn per Kaiserschnitt.
Geboren werden immer zwei.
Dieses universell geltende Verständnis von Schwangerschaft und Geburt kann logischerweise auch als eine Art „naturwissenschaftlicher“ Maßstab herangezogen werden, um die Bibel besser zu verstehen und vor allem die vielen widersprüchlichen Aussagen darin sinnvoll zu deuten, jenseits traditioneller oder frommer Vorstellungen. Neben den oben bereits erläuterten fünf Prinzipien der Geburt erweisen sich dabei die fünf Perspektiven der drei an der Geburt beteiligten Personen (denn ohne Vater gibt es keine Geburt) als Schlüssel zu einer in seiner Einfachheit überzeugenden Interpretation der Bibel mit ihren Kernaussagen. Diese fünf Perspektiven sind vollkommen ausreichend, die Zusammenhänge (inklusive den Widersprüchen im Leben und in der Bibel) von Individuum und Gemeinschaft auch mit den „Außenkräften“ menschlichen Lebens zu verdeutlichen, ob man sie Schicksal oder Gott nennt, ganz egal. Die Geburtsperspektiven teilen sich auf in zwei Zwillingspaare und eine Sonderperspektive, die des Zwillings selbst: 1a. die Sicht des ungeborenen Kindes und 1b. die der sehnsüchtigen Eltern. Zudem zweierlei Geburtsperspektiven, von 2a. Mutter und 2b. Kind. Macht vier Perspektiven. Und obendrauf – nicht nur als i-Tüpfelchen – die Zwillingsperspektive als fünfte Perspektive, die der Autor aus eigenem Erleben beisteuert und die sich als unentbehrlich herausstellt.
So entlockt er dem Buch der Bücher das Geheimnis des Lebens und Gottes und bringt es überspitzt auf den Punkt: Geboren werden immer zwei! Was für jede Menschengeburt gilt, wenn nach dem neuen Erdenbürger die Nachgeburt geboren wird, um die Geburt komplett zu machen. Dieses Prinzip des Lebens zieht sich auch durch den ersten Schöpfungsbericht der Genesis. Tag um Tag entstehen jeweils zusammengehörende Paare: Himmel und Erde, Finsternis und Licht, Abend und Morgen, Wasser über und unterhalb eines Gewölbes, Land und Meer, Sonne und Mond, Lebewesen im Wasser und am Himmel, Landlebewesen und Menschen und letztere Mann und Frau. Dieses biblische Schöpfungsprinzip der Paare wird durch die Erkenntnisse der Naturwissenschaft bestätigt: Materie und Antimaterie, die zwei Erscheinungsformen des Lichts (Welle und Teilchen), die Doppelhelix der DNA, der doppelte Chromosomensatz, die Art der Zellteilung, die paarige Ausbildung der Organe im Menschen einschließlich der Organe, die sich in der Embryonalentwicklung zu einer Einheit verschmolzen haben wie das Herz oder das Gehirn. Auch die Mathematik (Algebra) ist auf der Zwei aufgebaut. Die ganzen Zahlen lassen sich in genau zwei Zwillingspaare einteilen: 1. gerade und ungerade Zahlen sowie 2. Primzahlen und Nicht-Primzahlen. Dabei ist die Zwei die einzige gerade Primzahl. Schließlich funktioniert die vom Menschen geschaffene virtuelle Welt ganz allein auf dem Zweierprinzip: Strom fließt, Strom fließt nicht. In dieser ambivalenten Welt der Paare fehlt jetzt nur noch das umstrittenste von allen, das Paar Gott – Mensch. Zweimal erklärt die Genesis in einem Satz dazu: Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn.
Himmlische und irdische Wirklichkeiten
Der erste Satzteil der Bibel stellt bereits den Schlüssel zum Verständnis dieses „heiligen“ Buches und des Lebens dar: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Mit anderen Worten, es gibt irdische und himmlische Dinge oder Wirklichkeiten. Das bestätigt auch Jesus in seiner „Grundsatzerklärung“ über die Notwendigkeit des Geborenwerdens im Gespräch mit dem jüdischen Gelehrten Nikodemus im Johannesevangelium. Im christlichen Verständnis ist Jesus der Sohn Gottes, der als Mensch geboren wurde. Er ist also unser aller himmlischer Bruder, ja sogar unser himmlischer Zwillingsbruder. Auch zu dieser Deutung bietet die Jakob-Erzählung eine Analogie: das auf unglaubliche Weise ungleiche Zwillingspaar Esau und Jakob. Das Brüderdrama um die Beziehung der beiden lässt den Leser mit vielen Fragen, ja Rätseln zurück. Esau spielt darin eine überragende Rolle, auch wenn Jakob als einer der jüdischen Stammväter im Mittelpunkt steht. Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht an seinen jüngeren Bruder gegen ein schnödes Linsengericht. Geschieht ihm doch eigentlich ganz recht, dass dieser ihm später auch noch den Erstgeburtssegen stiehlt! Man verkennt allerdings dabei, dass beides, Erstgeburtsrecht und Erstgeburtssegen, nicht identisch ist mit dem, was in der Bibel Erstgeburt bedeutet, nämlich der Erstgeborene zu sein. Das kann einem niemand streitig machen! Egal, wie man später dazu steht. Und es ist in erster Linie eine Aufgabe und weniger ein Privileg: Geburtshelfer zu sein für sein jüngeres Geschwisterchen. Fast könnte man meinen, dass uns die Bibel mit ihrer Schilderung des Verhaltens Esaus und ihren späteren negativen Kommentaren dazu auf eine falsche Spur lockt. Aus rein logischen Gründen müssen wir die Beziehung der beiden allerdings in einem ganz anderen Licht sehen.
Ausschlaggebend ist, wie könnte es auch anders sein, ihre Geburt, die in zweifacher Hinsicht ein Kuriosum darstellt. Esau, der Erstgeborene wird beschrieben fast wie ein Tier, über und über bedeckt mit roten Haaren wie mit einem Fell. Jakobs Anblick bei seinem ersten Auftritt auf der Bühne dieser Welt ist hingegen noch außergewöhnlicher, er ist nämlich schlichtweg unmöglich aus insgesamt drei geburtsmechanischen Gründen. Jakob hält sich an der Ferse seines Bruders fest, was so wichtig erscheint, dass daraus sein Name gestrickt wird, Jakob, Fersenhalter. Esaus Rolle als erstgeborener Sohn Isaaks, der seinem jüngeren Bruder Jakob den Weg ins Leben bahnt, ist ein Spiegelbild für die überragende Bedeutung, die Jesus als Erstgeborener vor aller Schöpfung und als Erstgeborener von den Toten für uns alle hat (Kolosser 1: 15+18). Der Sonderling Esau ist das Anschauungsobjekt der Bibel für den dritten Weg, die dritte Möglichkeit der doppelten Geburt des Menschen: Zwillinge. Geboren werden immer zwei. (Die 1. Möglichkeit: Kind und Nachgeburt, 2. die übertragene Bedeutung: Kind und Eltern). Und so ist Esau ein sogenannter Archetypus für Christus. Wer hätte das gedacht?
Fazit
Die „primitiven Legenden“ der Bibel entpuppen sich also mit der Geburts- und der Zwillingsperspektive Jakob Friedrich Zweisteins als lebendige Bilder und Metaphern, die geeignet sind, das Leben in all seinen Facetten, Widersprüchen und Rätseln zu deuten jenseits oder ergänzend zu vielen christlichen Traditionen. Mit seinem umfangreichen theologisch‑philosophischen Erstlingswerk eröffnet der Autor anhand vieler Beispiele eine verblüffende, bei aller Einfachheit dennoch vollkommen überzeugende und universell verständliche Sicht auf das Leben, auf den Menschen sowie auf Gott und Jesus Christus.

